Das Resilienzprogramm

Resilienzfaktoren: Die 7 Säulen der Resilienz

Du möchtest deine psychische Widerstandskraft stärken und einen stressfreien Alltag genießen? Dann bist du hier richtig. Das Schlüsselwort ist Resilienz. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, trifft früher oder später auf die „7 Säulen der Resilienz“. Dabei handelt es sich um die sogenannten Resilienzfaktoren, auf denen die Resilienz eines jeden Menschen beruht. Der Begriff der „Säulen“ wird hierbei im übertragenen Sinn verwendet.

Die ersten Resilienz-Modelle

Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelte in den 70er-Jahren das erste Resilienz-Modell. Es ist das Ergebnis einer Untersuchung von Frauen, die das Konzentrationslager der Deutschen überlebt hatten. Ein Teil dieser Frauen hatte dieses traumatische Erlebnis ohne Schäden überstanden. Antonovsky ging der Frage nach, was sie gesund erhielt.

Um Salutogenese und die dafür notwendige Resilienz zu beschreiben, prägte Antonovsky den Begriff Kohärenzgefühl. Dieses Gefühl führt zu tiefer, innerer Zufriedenheit mit der Umwelt und sich selbst. Dafür sind nach Antonovsky drei Elemente wesentlich:

  1. Verstehbarkeit: Man kann Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Lebenserfahrungen herstellen.
  2. Bewältigbarkeit: Man weiß mit den Erlebnissen und Geschehnissen umzugehen.
  3. Sinnhaftigkeit: Man glaubt an einen tieferen Sinn von Schicksalsschlägen und schwierigen Erfahrungen.

Antonovsky ging davon aus, dass jeder Mensch diese drei Eigenschaften in den ersten zwei Jahrzehnten seines Lebens entwickelt. Wenn sie stark ausgeprägt sind, kann eine Person gut mit einschneidenden Erlebnissen umgehen – heute würde man sagen: Sie ist sehr resilient.

Von Resilienz-Modellen zu Resilienzfaktoren

Mittlerweile haben Psychologen verschiedene Modelle entwickelt, um den Begriff Resilienz zu erklären. Dabei haben sich vier Modelle herauskristallisiert, die angewendet werden. Bei allen steht das Zusammenspiel von externen und internen Risiko- und Schutzfaktoren im Vordergrund. Risikofaktoren belasten die Person, zum Beispiel Arbeitslosigkeit oder schlechte Ernährung. Schutzfaktoren dagegen erleichtern das Bewältigen von Krisen.

Das Resilienz-Modell der Kompensation: Dieses Modell geht davon aus, dass der Einfluss von Schutzfaktoren die Risikofaktoren ausgleicht – ähnlich wie ein Blitzableiter den Blitzeinschlag in einem Haus neutralisiert. Selbst wenn Eltern ständig streiten, können Kinder eine positive Haltung zum Leben aufbauen, etwa durch liebevolle Großeltern.

Das Resilienz-Modell der Herausforderung: In diesem Modell werden alle schwierigen Erfahrungen als Herausforderung angenommen. Es fokussiert darauf, Strategien der Bewältigung zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist, sich bei einer Präsentation vor großem Publikum auf einzelne Gesichter zu konzentrieren.

Das Resilienz-Modell der Interaktion: Bei diesem Modell steht die Interaktion zwischen Schutz- und Risikofaktoren im Mittelpunkt. Demnach entfalten sich Schutzfaktoren nur, wenn entsprechende Risikofaktoren sie erfordern. Ein Beispiel wäre Armut. Sie kann die Eltern so fordern, dass sie keine Zeit für die Bedürfnisse des Kindes haben. Ein Lehrer oder eine andere Bezugsperson könnte in diesem Fall als externer Schutzfaktor auftreten. Dieses Modell wird häufig vorbeugend bei Risikogruppen angewandt, zum Beispiel bei Scheidungskindern und Menschen mit Migrationshintergrund.

Das Resilienz-Modell der Kumulation: Dieses Modell geht davon aus, dass das Auftreten mehrerer Risiko- oder auch Schutzfaktoren gleichzeitig deren Wirkung verstärkt. Entsprechend verringert sich die Gefahr, wenn mehrere Schutzfaktoren gleichzeitig greifen. Ein Beispiel wäre der Umzug einer Familie in eine andere Stadt. Das Kind verliert nicht nur seine Freunde und seinen sozialen Umkreis. Es muss sich auch in einer neuen Schule und einer neuen Klasse zurechtfinden. Mehrere Schutzfaktoren könnten diese Belastung ausgleichen, etwa verstärkte Aufmerksamkeit der Eltern oder die Akzeptanz einer Gruppe gleichaltriger Kinder.

Neben diesen vier Grundmodellen gibt es Modelle, die neben Schutz- und Risikofaktoren andere Strukturen verwenden. Ein Beispiel wäre das Wiener Resilienz-Modell, das 2015 entstanden ist. Es baut darauf auf, die drei Bereiche „Food“, „Move“ und „Mind“ in Einklang zu bringen. Dafür nutzen die Berater Erkenntnisse aus Ernährungswissenschaft (Food), Sportwissenschaft (Move) und Psychologie (Mind).

Während sich die einzelnen Modelle mehr oder weniger stark unterscheiden, lässt sich dennoch eine gemeinsame Richtung erkennen. Einig sind sich die Forscher darin, dass positive Einflüsse während der Kindheit die Grundlage individueller Resilienz bilden. Die US-amerikanische Psychologin Emmy Werner formulierte bereits in den 80er Jahren drei Faktoren für Kinder, die sich trotz schwieriger Umstände erfolgreich entwickeln:

  1. Sie haben eine enge, emotionale Bindung mit einer festen Bezugsperson.
  2. Sie erfahren Akzeptanz und Respekt innerhalb einer Gruppe.
  3. Das weitere Umfeld ermutigt sie, selbstständig zu handeln.

Resilienzfaktoren im Überblick

Resilienzforscher gingen lange davon aus, dass sich Resilienz früh entwickelt. Heute weiß man, dass du deine Resilienz trainieren kannst. Dabei spielen die sogenannten Resilienzfaktoren eine tragende Rolle. Im Gegensatz zu externen Schutz- und Risikofaktoren handelt es sich dabei um Persönlichkeitsmerkmale – obwohl auch neurologische Faktoren und Erbanlagen das Ausmaß der individuellen Resilienz beeinflussen.

Resilienzfaktoren fördern die Resilienz einer Person und entsprechen in etwa den internen Schutzfaktoren der Resilienz-Modelle. Sie beschreiben nötige Eigenschaften für einen erfolgreichen Umfang mit Krisen. Es sind jedoch keine statischen Größen, da sie sich gegenseitig beeinflussen und bei einem Menschen zu verschiedenen Zeiten verschieden stark ausgeprägt sein können.

Die „7 Säulen der Resilienz“

Akzeptanz und Verantwortungsübernahme sind Schlüsselfaktoren für die Ausbildung von Resilienz, schreibt die deutsche Psychotherapeutin Micheline Rampe im Jahr 2005. In ihrem Buch „Der R-Faktor: Das Geheimnis unser inneren Stärke“ beschreibt sie erstmals die „7 Säulen der Resilienz“, die aufeinander aufbauen. Die deutsche Sozialpädagogin Monika Gruhl fügt im Jahr 2008 unter anderem Beziehungsgestaltung und Lösungsorientierung hinzu.

Die Entwicklung der „7 Säulen der Resilienz“ entspricht in etwa den sieben Resilienzfaktoren der amerikanischen Psychologen Karen Reivich und Andrew Shatté, die sie bereits 2003 in ihrem Buch „The Resilience Factor“ beschrieben hatten. Für Rampe ist Optimismus aber die Grundvoraussetzung der weiteren sechs Säulen.

Hier siehst du dieses Konzept in Kurzform:

  • Optimismus: Der feste Glaube, dass Krisen nach einer Zeitlang überwunden werden können
  • Akzeptanz: Schritte zur Krisenbewältigung sind erst möglich, wenn man den Tatsachen ins Auge blickt
  • Lösungsorientierung: Mit Optimismus und Akzeptanz gilt es, Stress zu bewältigen und nach Lösungen zu suchen.
  • Die Opferrolle verlassen: Statt sich als Opfer zu sehen, besinnt man sich auf seine Stärken und interpretiert die Realität in angemessener Weise.
  • Verantwortung übernehmen: Verantwortung für das eigene Tun bedeutet auch, sich nicht selbst als Sündenbock zu fühlen.
  • Netzwerkorientierung: Die Pflege eines stabilen, sozialen Umfelds, um Wege aus der Krise zu finden.
  • Zukunftsplanung: Durch gute Vorbereitung kann man sich vor den Wechselfällen des Lebens schützen. Wichtig ist dabei die realistische Sicht des beruflichen Entwicklungspotentials.

Wenn du diese Konzepte trainierst und verinnerlichst, kannst du aus jeder Krise gestärkt hervorgehen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) fasst im Jahr 2012 den aktuellen Stand der Forschung in einem Artikel zusammen. Unter der Überschrift „Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter“ beschreibt die BZGA elf Faktoren, die zur Resilienz eines Menschen beitragen. Im gleichen Jahr erscheint eine Metaanalyse der Forscher Lisa Lyssenko und Jürgen Bengel. Anhand von 740 verschiedenen Quellen bestätigt die Metaanalyse die sieben Resilienzfaktoren, die Reivich und Shatté bereits 2003 formuliert hatten und somit die sieben Säulen der Resilienz.

Wie Resilienzfaktoren beim Resilienztraining helfen

Mittlerweile beschäftigen sich mehrere Autoren mit der Frage, welches die „richtigen“ oder „echten“ Resilienzfaktoren sind und welches Modell Resilienz genau beschreibt. Wir meinen, dass jedes Modell seine Daseinsberechtigung hat. Allerdings handelt es sich bei Resilienz um eine dynamische Charaktereigenschaft von Menschen. Das bedeutet: Jeder Mensch ist verschieden und seine Resilienz wandelt sich im Lauf der Zeit.

Ein einzelnes Modell kann die individuelle Realität nur ungenügend beschreiben. Trotzdem sind sie nützlich, um Einflüsse auf das Verhalten von Menschen in Krisen auszuwerten. Zudem liefern sie einen Rahmen beim Training der Resilienz. Und genau darum geht es uns: Anderen zu helfen, resilienter zu werden und damit stressfreier zu leben.